
Die Diagnose Krebs ist ein Schicksalsschlag. Sie trifft viele Menschen unvorbereitet. Die Betroffenen verbinden Krebs mit Schmerz und Leiden. Ermutigend ist jedoch, daß Schilddrüsenkrebs vergleichsweise wenig Schmerzen verursacht und bei rechtzeitiger Behandlung mit verbesserten Methoden in den meisten Fällen heilbar ist.
Diese Broschüre gibt Ihnen einige grundlegende Informationen. Denn auch bei Schilddrüsenkrebs ist eine erfolgreiche Behandlung und damit die Heilungschance um so größer, je früher er erkannt und bekämpft werden kann. Erklärungen zum Krebs und den Behandlungsmöglichkeiten sollen es Ihnen als Betroffene erleichtern, die Therapie zu bejahen und mitzutragen.
Die Schilddrüse liegt unterhalb des Kehlkopfes vor der Luftröhre. Sie ist weich, 15 bis 25 Gramm schwer und hat mit ihren beiden Lappen die Form eines Schmetterlings. Nur wenn sie krankhaft vergrößert ist und einen Kropf (Struma) bildet, ist sie von außen sichtbar. Die Zellen der Schilddrüse (Thyreozyten) liegen dicht nebeneinander und bilden kleine Bläschen, die Follikel. Sie stellen die lebenswichtigen Schilddrüsenhormone her und speichern sie, bis der Körper Bedarf meldet.
In der Schilddrüse gibt es zwischen den Follikeln noch die sogenannten C-Zellen. Sie haben mit der Herstellung der Schilddrüsenhormone nichts zu tun, sondern produzieren Calcitonon, ein Hormon das den Kalziumspiegel im Blut senkt. An den Enden der beiden Schilddrüsenlappen befinden sich die vier Nebenschilddrüsen, die den Gegenspieler zu Calcitonin, das sogenannte Parathormon bilden. Es bewirkt eine Anhebung des Kalziumspiegels im Blut.
Die Schilddrüsenhormone L-Thyroxin (T4) und L-Trijodthyronin (T3) halten den Stoffwechsel in Gang. Sie steuern das Wachstum und lassen Nerven, Herz und Kreislauf sowie Muskeln reibungslos funktionieren. Auch unser psychisches Wohlbefinden hängt von einem geregelten T4- und T3-Haushalt ab.
Im chemischen Aufbau der Schilddrüsenhormone ist Jod ein wesentlicher Bestandteil. Es muß mit der Nahrung aufgenommen werden. Steht Jod nicht in ausreichender Menge zu Verfügung, kommt es zu Schilddrüsenkrankheiten.
An der Herstellung und Ausschüttung von T4 und T3 ist neben der Schilddrüse auch die Hirnanhangdrüse beteiligt. Befinden sich zu wenig Schilddrüsenhormone im Blut, geht eine Meldung an das Zwischenhirn und die Schilddrüse wird über das Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH) und das Thyreoidea-Stimulating-Hormon (TSH) zu vermehrter Hormonproduktion aufgefordert. Hohe Schilddrüsenhormon-Konzentrationen im Blut sind ein Signal, die Produktion zu verringern.
Erfährt ein Patient von Knoten in seiner Schilddrüse, befürchtet er meist Krebs. Doch glücklicherweise sind nur die wenigsten Schilddrüsenknoten, höchstens fünf Prozent, tatsächlich bösartig. Dennoch sollten auftretende Knoten genau untersucht werden. Ob ein Schilddrüsenknoten seine normale Struktur behält oder sich zu Krebs entwickelt, hängt von bestimmten Genen (Erbanlagen) ab. Umweltfaktoren wie Jodmangel scheinen in der Lage zu sein, einer Krebsbildung Vorschub zu leisten.
Unter den Krebserkrankungen gehören bösartige Schilddrüsentumore meist zu den weniger gefährlicheren und mit einem Anteil von nur einem Prozent zu den selteneren Krebsarten. Frauen sind dreimal so häufig betroffen wie Männer.
Was ist Krebs?
Krebs ist eine Fehlentwicklung unserer Körperzellen. Milliarden verbrauchter Zellen werden täglich ersetzt. Bei den dabei notwendigen Zellteilungen kommt es immer wieder zu Fehlern in den Erbanlagen. Normalerweise beheben Reparaturmechanismen solche Fehler oder unser Immunsystem vernichtet die geschädigten Zellen. Erst wenn eine fehlerhafte Zelle den Kontrollen entgeht, kann sie zur Krebszelle werden - sie verliert ihre ursprüngliche Funktion und vermehrt sich unkontrolliert. Die neugebildeten Krebszellen dringen in benachbartes Gewebe ein und zerstören es. Vom Krebsherd abgelöste Zellen können über Lymph- und Blutgefäße in andere Bereiche des Körpers wandern und dort als Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, wuchern. Ist der Krebs nicht mehr auf einen Ort begrenzt, ist er wesentlich schwieriger zu behandeln.
Nur bei etwa fünf Prozent aller bösartigen Tumoren ist die Krebsentstehung in den Erbanlagen festgelegt. Andere Ursachen sind vielfältig: Chemische Stoffe, energiereiche Strahlung und Viren, aber auch Alkohol und Rauchen können an einer Krebsentwicklung beteiligt sein.
Alarmsignale des Körpers
Schilddrüsenkrebs selbst verursacht selten Schmerzen. Nur wenige Anzeichen können auf eine Erkrankung hindeuten. Behindert er die Luftröhre, treten Druckgefühl im Halsbereich, Hustenreiz, sowie Schluck- und Atembeschwerden auf. Sind die Lymphknoten von Krebs befallen, drücken sie auf den Nerv des Stimmapparates; die Stimme klingt heiser. Solche Symptome treten erst relativ spät auf.
Die Früherkennung
Die Arten der Krebserkrankungen sind ebenso vielfältig wie die Entstehung. Jede hat eigene Anzeichen, zum Beispiel auftretende Geschwüre und Knoten bei Brustkrebs oder langanhaltender Husten bei Lungenkrebs. Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung kann die moderne Tumordiagnostik den Krebs in einem relativ frühen Stadium erkennen und Größe, Lage und Ausbreitung bestimmen. Früherkennung und -behandlung sind Voraussetzung für bestmögliche Therapieaussichten. Werden auftretende Schilddrüsenkarzinome früh erkannt, sind die Chancen einer vollständigen Heilung durch eine chirurgische Entfernung der kranken Schilddrüse außerordentlich hoch. Die Art eines Schilddrüsenknotens kann und muß also rechtzeitig geklärt werden.
Bei erblich bedingtem Schilddrüsenkrebs (und C-Zellkarzinom) ist es sinnvoll, bei allen blutsverwandten Familienmitgliedern das Erbmaterial zu untersuchen. Ist ein Defekt erkannt, können frühzeitig Maßnahmen ergriffen werden. Wann genau ein Schilddrüsenkarzinom entsteht, ist jedoch nicht vorhersehbar. Erblich vorbelasteten Kindern sollte deshalb zur Vorbeugung am besten schon vor dem sechsten Lebensjahr die Schilddrüse vollständig entfernt werden.
Die meisten bösartigen Schilddrüsentumore sind Geschwülste (Karzinome), die vom Drüsengewebe oder von Gewebeoberflächen ausgehen. Sie wachsen meist nur an einem Ort. Sie zerstören dabei gesundes Gewebe und greifen auf benachbarte Organe über. Ein Karzinom kann aber auch, durch im Blut oder der Lymphflüssigkeit transportierte abgetrennte Krebszellen, Tochtergeschwülste in anderen Organen des Patienten hervorrufen.
Pro Jahr und 100.000 Einwohner treten zwei bis drei Neuerkrankungen auf. Ihre Häufigkeit hängt von der Art des Tumors ab:
Differenzierte Schilddrüsenkarzinome
Art des Schilddrüsenkrebs relative Häufigkeit Papilläres Karzinom 50-80 % Follikuläres Karzinom 20-40 % Medulläres Karzinom 4-10 % Undifferenziertes Karzinom 2 %
Differenziertes Krebsgewebe ähnelt bis zu einem gewissen Grad dem gesunden Schilddrüsengewebe, erfüllt jedoch nicht mehr alle Aufgaben. Die häufigsten Formen sind das papilläre und das follikuläre Karzinom. Aber auch gemischte Formen (papillär/follikulär) treten auf. Die Heilungschancen sind im allgemeinen gut.
Das papilläre Schilddrüsenkarzinom
Die meisten von Schilddrüsenkrebs Betroffenen haben papilläre Karzinome. Sie sehen unter dem Mikroskop mit ihren feinen Verästelungen aus wie ein Farn und werden zu 75 Prozent erst erkannt, wenn sie bereits die Lymphknoten befallen haben. Häufig besitzen die Patienten mehrere Herde in einem oder beiden Schilddrüsenlappen. Tochtergeschwülste außerhalb der Halsregion treten erst spät auf. Die Chance für eine Heilung ist mit einer Überlebensrate von 80-90 Prozent über zehn Jahre sehr günstig.
Das follikuläre Schilddrüsenkarzinom
Dieser Schilddrüsenkrebs tritt meist in Form von einzelnen Knoten in den Schilddrüsenfollikeln auf. In etwa einem Drittel der Fälle greift er auf keine anderen Gewebe über. Bei zwei Drittel der Betroffenen sind jedoch auch Blutgefäße, Lunge und Knochen befallen. Das follikuläre Karzinom findet man besonders in Kropfgebieten bei älteren Patienten. Die Zehnjahres-Überlebensrate liegt bei 50-70 Prozent. Sie hängt vor allem davon ab, wie stark der Krebs in die Blutgefäße innerhalb der Schilddrüse eingebrochen ist.
Das medulläre Karzinom (C-Zellkarzinom)
Das medulläre Karzinom geht von den C-Zellen der Schilddrüse aus. Es ist für deren erhöhte Calcitoninproduktion verantwortlich. Metastasen finden sich schon frühzeitig in den Lymphknoten des Halses und des Brustkorbes. Über das Blut befällt der Krebs andere Organe, bevorzugt Lunge und Leber. Das C-Zellkarzinom ist zu 30 Prozent erblich bedingt. In diesen Familien beträgt die Heilungschance bei Früherkennung ohne auftretende Metastasen bis zu 100 Prozent, in anderen Fällen zwischen 50 und 70 Prozent (Zehnjahres-Überlebensrate).
Das undifferenzierte Karzinom (anaplastisches Karzinom)
Die Zellen des undifferenzierten Karzinoms unterscheiden sich völlig von gesunden Schilddrüsenzellen und sind nicht mehr in der Lage Jod aufzunehmen. Betroffen sind vor allem ältere Patienten. Sie bemerken meist eine schnell zunehmende Vergrößerung der Schilddrüse. Der Krebs wächst rasch, häufig in andere Gewebe und bildet Tochtergeschwülste in Knochen, Leber, Lunge und Gehirn. Die Chance einer Heilung (Zehnjahres-Überlebensrate) hat nur jeder zehnte Patient.
Andere Malignome
Unter diesem Begriff werden bösartige Tumore zusammengefaßt, die nicht ursprünglich aus dem Schilddrüsengewebe hervorgegangen sind, sondern in der Schilddrüse angesiedelte Metastasen aus anderen Krebsherden des Körpers darstellen. Sie haben ihren Ursprung zum Beispiel in einem Nieren- oder Brustkrebs. Dazu gehören auch sogenannte Lymphome, die vom Lymphsystem ausgehen und aufgrund ihres raschen Wachstums gefährlich sind.
Eine gründliche Diagnose ist Grundvoraussetzung für eine sinnvolle Therapie. Neben dem Allgemeinzustand des Patienten muß der Arzt Fragen nach Krebsart, Krebsstadium, dem genauen Ort und eventuell vorhandenen Tochtergeschwülsten klären.
Tastuntersuchung
Der Arzt untersucht die vordere Halsregion, um das Ausmaß des Schilddrüsenkrebses abzuschätzen und möglicherweise vorhandene Krebsherde in den Lymphknoten festzustellen. Die Organe des Brustkorbes und andere Körperregionen werden ebenfalls untersucht.
Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
Die Ultraschalluntersuchung ist vollkommen schmerzlos und ungefährlich. Mit Hilfe der Echos von unhörbaren Schallwellen werden neben Lage, Form und Größe der Schilddrüse, Zysten und Knoten geortet. Vor allem bei im Ultraschallbild festgestellter Mehrdurchblutung von Knoten, wird zur Beurteilung, ob es sich um gut- oder bösartige Knoten handelt, mittels Feinnadelpunktion eine Gewebeprobe entnommen und mikroskopisch untersucht.
Blutuntersuchung
Bluttests gehören zu den Routineuntersuchungen. Bestimmt wird die Menge der Schilddrüsenhormone, des in der Hirnanhangdrüse produzierten Hormons TSH, sowie des Calcitonins und Kalziums. Veränderte Hormonkonzentrationen weisen auf eine Störung der Schilddrüsenfunktion hin. Ist die Calcitoninkonzentration im Blut erhöht, besteht der Verdacht auf ein medulläres Karzinom.
Feinnadelpunktion (Feinnadelbiopsie)
Bei der Feinnadelpunktion handelt es sich um eine wichtige Untersuchungsmethode. Mit einer sehr dünnen Hohlnadel wird vom Patienten fast unbemerkt, vergleichbar einer Blutentnahme, ein kleiner Teil des Knotengewebes abgesaugt. Die Feinnadelpunktion bedarf keiner örtlichen Betäubung und es besteht keine Gefahr, daß Zellen verschleppt werden. Die anschließende Untersuchung der entnommenen Zellen unter dem Mikroskop unterscheidet gutartige (benigne), zweifelhafte und bösartige (maligne) Zellen und bestimmt gegebenenfalls die Art des Krebses. Die Feinnadelpunktion führt zu einer entscheidenden Verbesserung der Diagnostik und verringert dadurch die Anzahl der notwendigen Operationen erheblich.
Szintigraphie
Auch diese Untersuchung ist weder schmerzhaft, noch gefährlich. Die Szintigraphie trifft eine Aussage über die Funktionsfähigkeit der Schilddrüse, indem eine geringe Menge an radioaktivem Jod (oder Technetium) in die Blutbahn gespritzt wird. Kurz darauf wird mit einer speziellen Kamera die Strahlung des von der Schilddrüse aufgenommenen radioaktiven Indikators gemessen und die Verteilung auf einem Bildschirm sichtbar. Nimmt ein Gewebeteil viel radioaktives Jod auf, spricht man von einem überaktiven sogenannten "heißen" Knoten; weniger als ein Prozent davon sind bösartig. Funktionsuntüchtige, sogenannte "kalte" Knoten benötigen wenig Jod und sind selten bösartig.
Nach einer vollständigen Entfernung der Schilddrüse kann die Szintigraphie mit radioaktivem Jod aufzeigen, ob noch Jod aufnehmendes Schilddrüsengewebe, beziehungsweise Jod aufnehmende Tochtergeschwülste im Körper vorhanden sind.
Lautet die Diagnose Schilddrüsenkrebs, wird die Behandlung auf den Einzelfall abgestimmt. Denn die Therapie soll dem Gesundheitszustand des Patienten entsprechen. Im folgenden werden verschiedene Möglichkeiten vorgestellt.
Die Operation
Bis auf wenige Ausnahmen ist es notwendig, die gesamte Schilddrüse zu entfernen (totale Thyreoidektomie), um auszuschließen, daß Krebszellen im Körper verbleiben. Eine Untersuchung des Schilddrüsengewebes noch während der Operation schafft Klarheit über den Befund. Die Halslymphknoten werden, je nach Befall, in unterschiedlichem Ausmaß entfernt.
Die nach einer Entfernung der Schilddrüse fehlende Hormonproduktion wird durch die Einnahme von synthetischen Hormonen ausgeglichen. Der Betroffene muß diese Tabletten regelmäßig und zeitlebens einnehmen. Durch Bluttests wird die Dosierung dem Bedarf angepaßt.
Die Nebenschilddrüsen verbleiben normalerweise im Körper, da sie für die Erhaltung des Kalziumspiegels im Blut verantwortlich sind. Mußten sie, trotz moderner Operationstechniken, bis hin zur Transplantation in die Halsmuskulatur, dennoch entfernt werden, reguliert die Einnahme von Vitamin D- und Kalziumtabletten den Kalziumgehalt im Blut.
Ein geringes Restrisiko der Operation besteht in einer unbeabsichtigten Beschädigung der Stimmbandnerven, diese ist aber häufig nur vorübergehend. Sprachtherapie (Logopädie) führt in der Regel, auch bei bleibender Stimmbandlähmung, zu Stimmverbesserung. Nur äußerst selten kommt es zu einer gravierenden Einschränkung der Lebensqualität durch beidseitige Stimmbandlähmung.
Die Radiojod-Therapie
Die Therapie mit radioaktivem Jod ist eine einfache, aber gezielte und erfolgreiche Maßnahme. Durch die radioaktive Strahlung zerstört es am Zielort Schilddrüsengewebe. Da nur Schilddrüsenzellen Jod aufnehmen und die Reichweite der Strahlung nur einen halben bis zwei Millimeter beträgt, wird benachbartes Gewebe nicht geschädigt. Als Kapsel oder in Wasser gelöst nimmt der Patient das radioaktive Jod auf. Von den Krebszellen nicht aufgenommenes Radiojod scheidet der Körper innerhalb von zwei Tagen über den Urin aus.
Nach einer chirurgischen Entfernung der Schilddrüse beseitigt die Behandlung kleinste verbliebene Schilddrüsenreste und Metastasen, falls die Speicherung von Radiojod in den Metastasen ausreichend ist. Dadurch ist die Heilungschance bei differenzierten Schilddrüsenkarzinomen deutlich größer als bei anderen Tumoren.
Medulläre und undifferenzierte Schilddrüsenkarzinome nehmen kein radioaktives Jod auf und sind somit mit dieser Methode nicht zu behandeln.
Äußere Bestrahlung (Radiotherapie oder Radiatio)
Anwendung findet die äußere Bestrahlung nur in seltenen Fällen: bei großen Schilddrüsenkarzinomen, die durch eine Operation nicht vollständig entfernt werden können, sowie bei manchen undifferenzierten Karzinomen, da diese wegen fehlender Jodaufnahme nicht auf eine Radiojod-Therapie ansprechen.
Die äußere Bestrahlung bekämpft den Krebs, indem sie Schäden in den Erbanlagen verursacht. Auf den ersten Blick ist dies ein Widerspruch, doch das Reparatursystem der Krebszellen arbeitet schlechter als das der normalen Zellen. Folglich können die Schäden in den Erbanlagen der Krebszellen nicht behoben werden, und der Krebs stirbt ab.
Da wegen der Lage der Schilddrüse auch Hals, Speise- und Lufröhre mitbestrahlt werden, können Heiserkeit, Halsschmerzen, Mundtrockenheit und Hustenreiz auftreten. Verbesserte Bestrahlungstechniken vermindern die Gefahr dauerhafter Schwellungen und Trockenheit der Schleimhäute.
Die Chemotherapie
Unter Chemotherapie versteht man die Behandlung von Krebszellen mit chemischen Substanzen. Die eingesetzten Zellgifte (Zytostatika) hemmen die Zellteilung der Krebszellen. Neben den Krebszellen können allerdings auch gesunde, sich oft teilende Zellverbände geschädigt werden. Wegen der daraus folgenden Nebenwirkungen sowie des geringen Effektes wird die Chemotherapie als "letzte" Maßnahme nur angewendet, wenn eine Radiojodtherapie oder äußere Bestrahlung nicht möglich oder nicht sinnvoll sind. Während der Anwendung treten Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall auf. Eine Chemotherapie ist bei Schilddrüsenkarzinomen nur in den seltensten Fällen (unter 0,3 Prozent) notwendig.
Neben der medikamentösen Behandlung zum Ausgleich der fehlenden Schilddrüsen-Hormonproduktion ist eine Nachsorge bei jeder Krebsbehandlung unerläßlich. Regelmäßige Kontrollen sind notwendig, um ein mögliches Wiederauftreten des Krebses (Tumorrezidiv) frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Der Patient sollte die empfohlenen Untersuchungen unbedingt in den angegebenen Abständen durchführen lassen. Über die Notwendigkeit einer stationären Rehabilitationsmaßnahme muß der Arzt entscheiden. Im allgemeinen sind die Patienten aber nach abgeschlossener Therapie und entsprechender regelmäßiger Einnahme von Schilddrüsenhormontabletten wieder arbeitsfähig.
Die Nachsorge dient dem Ausschluß eines erneuten Auftretens des Tumors (Tumorrezidiv) und der Erkennung von Folgekrankheiten. Sie umfaßt bei vererbaren Krebsleiden eine fachliche Beratung. Für auftretende Probleme sind Selbsthilfegruppen von Betroffenen geeignete Ansprechpartner.
Durch Kontakt zu Selbsthilfegruppen sieht der Patient, daß er mit seinen Problemen nicht alleine ist. Die Mitglieder stehen mit Rat und Tat zur Seite und können von eigenen Erfahrungen berichten. Sie verstehen die Probleme und können Lösungsansätze bieten. Durch Gespräche sammelt sich in einer Selbsthilfegruppe viel Wissen an, das für die "Hilfe zur Selbsthilfe" genutzt werden kann.
Die Schilddrüsen-Liga Deutschland
e.V., als Dachverband der Selbsthilfegruppen für Schilddrüsenkranke
und deren Angehörige in der Thyroid Federation International (TFI),
stellt gerne Informationen und Unterlagen zur Bildung einer Selbsthilfegruppe
zur Verfügung und vermittelt Adressen bereits vorhandener Selbsthilfegruppen
in Deutschland.