Thyroliberin  
    TRH Merck
     
    Information in English

    1. Bezeichnung des Arzneimittels

    Thyroliberin 200 TRH Merck

    Thyroliberin 400 TRH Merck

    Thyroliberin oral TRH Merck

    Wirkstoff: Protirelin

    2. Verschreibungsstatus/Apothekenpflicht

    Verschreibungspflichtig

    3. Zusammensetzung des Arzneimittels

    3.1 Stoff- oder Indikationsgruppe

    Organfunktionsdiagnostika

    3.2 Wirksame Bestandteile nach Art und Menge

    - arzneilich wirksame Bestandteile

    Thyroliberin 200 TRH Merck:

    1 Ampulle (2 ml) enthält 200 µg Protirelin.

    Thyroliberin 400 TRH Merck:

    1 Ampulle (2 ml) enthält 400 µg Protirelin.

    Thyroliberin oral TRH Merck:

    1 Tablette enthält 40 mg Protirelin.

    - andere Bestandteile

    Thyroliberin 200 TRH Merck/400 TRH Merck:

    Mannit, Essigsäure, Wasser für Injektionszwecke

    Thyroliberin oral TRH Merck:

    Lactose, Siliciumoxid, Maisstärke, Poly(-1-vinyl-2-pyrrolidon),

    Talkum, Magnesiumstearat.

    4. Anwendungsgebiete

    Thyroliberin dient zur Durchführung des TRH-Tests im Rahmen der Schilddrüsen- und Hypophysendiagnostik.

    5. Gegenanzeigen

    Ernsthafte Überempfindlichkeitsreaktion nach vorausgegangener TRH-Gabe, akuter Herzinfarkt, instabile Angina pectoris, erhöhte Krampfbereitschaft und ausgeprägte Bronchialobstruktion. In der Schwangerschaft ist ein TRH-Test nicht indiziert.

    6. Nebenwirkungen

    Je nach Art der Anwendung (oral, intravenös) treten Nebenwirkun gen in unterschiedlicher Art und Häufigkeit auf. Sie werden nach oraler Einnahme meist als mild, nach intravenöser Injektion überwiegend als mittelschwer bis stark empfunden, sind jedoch bis auf sehr seltene Ausnahmen harmlos. Bei intravenöser Gabe ist meistens mit unerwünschten Wirkungen zu rechnen, die 1 - 3 Minuten anhalten können. Diese bestehen zu meist in Hitzegefühl, Nausea, Harndrang, milden Kopfschmerzen, Benommenheitsgefühl, Flush-Symptome sowie Mißempfindungen im Bereich der Abdominal- und Beckenorgane, seltener in Erbrechen, Engegefühl in der Brust und Geschmacksmißempfindungen. Selten kommt es zu Mißempfindungen in der Brust oder den Extremitäten, Hungergefühl, Mundtrockenheit, Blutdruck- oder Pulsanstieg. In Einzelfällen wurden beschrieben: Auslösung eines Krampfanfalls bei erhöhter Krampfbereitschaft sowie eines Asthmaanfalls bei Asthmatikern.

    Beim oralen TRH-Test ist in weniger als 5 % der Fälle mit leichteren Nebenwirkungen zu rechnen. Bei Patienten mit Hypophysenvorderlappeninsuffizienz kann, wenn TRH in nüchternem Zustand eingenommen wird, eine Hypoglykämie ausgelöst werden.

    7. Wechselwirkungen mit anderen Mitteln

    Schilddrüsenhormone sowie Schilddrüsenhormonanaloga hemmen dosisabhängig den TSH-Anstieg im TRH-Test. Vermindert wird der TSH-Anstieg außerdem durch:

    Glukokortikoide, Somatostatin, Dopamin, Bromocriptin, Lisurid, Levodopa, Salicylate, Morphin, Barbiturate und Röntgenkontrastmittel.

    Verstärkt, wenn auch meist nur schwach, wird der TSH-Anstieg durch:

    GnRH, GHRH, CRH, ™strogene, Clomifen, Spironolacton, Iodid, Amiodaron, Lithium, Theophyllin, Metoclopramid, Domperidon, Sulpirid, Chlorpromazin, Biperiden, Haloperidol oder Prostaglandinen.

    Die Aussagekraft des Tests kann durch diese Wechselwirkungen jedoch nur in ganz seltenen Fällen beeinflußt werden.

    8. Warnhinweise

    Beim intravenösen TRH-Test ist wie bei jeder i.v.-Injektion von Peptiden eine anaphylaktische Reaktion nicht auszuschließen. Wegen der beschriebenen Nebenwirkungen sollte bei Herzrhythmusstörungen, koronarer Herzerkrankung, schlecht eingestelltem Hypertonus, großen Hypophysentumoren, Epilepsien, Asthma bronchiale die Indikation zum TRH-Test streng gestellt werden. Die intravenöse Applikation sollte langsam erfolgen.

    Bei einzelnen Patienten mit großen Hypophysentumoren sind in zeitlichem Zusammenhang mit TRH-Gaben akute lokale Komplikationen infolge Vergrößerung oder Apoplexie des Tumors beschrieben worden (Kopfschmerz, Bewußtseinsstörungen, Hirnnervenlähmungen, Visusminderung bis zur Amaurose, Hemiplegie), die z. T. neurochirurgische Eingriffe erforderlich machten. TRH war dabei in den meisten Fällen in Form eines kombinierten Hypophysentests zusammen mit anderen Substanzen verabreicht worden, so daß nicht klar ist, ob die Komplikationen auf TRH allein zurückgeführt werden können.

    Verwendung bei Schwangerschaft und Laktation

    Die Anwendung von TRH ist in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht erforderlich. Schädliche Auswirkungen sind nicht bekannt.

    9. Wichtigste Inkompatibilitäten

    Siehe Punkt 8: Anwendung von TRH in Form eines kombinierten Hypophysentests.

    10. Dosierung mit Einzel- und Tagesgaben

    - intravenöser Test

    Erwachsene: 1 Ampulle zu 2 ml (200 µg oder 400 µg Protirelin)

    Kinder: 1 µg Protirelin/kg KG

    - oraler Test

    Erwachsene: 1 Tablette zu 40 mg Protirelin nüchtern

    Kinder: 1/2 Tablette/qm Körperoberfläche nüchtern

    11. Art und Dauer der Anwendung

    - intravenöser Test:

    Beim liegenden Patienten langsam (über mindestens 1 Minute) i.v. injizieren.

    - oraler Test:

    Tablette nüchtern, unzerkaut mit etwas Wasser einnehmen lassen. Danach soll der Patient eine Stunde nüchtern bleiben.

    12. Notfallmaßnahmen, Symptome und Gegenmittel

    Bei der diagnostischen Anwendung sind Überdosierungen mit eventuellen nachteiligen Folgen nicht denkbar.

    13. Pharmakologische und toxikologische Eigenschaften, Pharmakokinetik, Bioverfügbarkeit, soweit diese Angaben für die diagnostischeVerwendung erforderlich sind

    Pharmakologische Eigenschaften

    Protirelin ist ein hypothalamisches Releasing-Hormon, das die Freisetzung von Thyreotropin (TSH) aus dem Hypophysenvorderlappen stimuliert. Auch die Freisetzung von Prolactin wird durch Protirelin stimuliert. Protirelin ist ein Tripeptid mit einem Molekulargewicht von 362. Die Stabilität des Moleküls gegenüber Säuren und Peptidasen bei oraler Gabe wird auf die dichte Folge von Ringstrukturen im Molekül zurückgeführt.

    Toxikologische Eigenschaften

    Akute Toxizität

    Die akute Toxizität von Protirelin, an Maus und Ratte geprüft, ist außerordentlich gering. Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse ist die diagnostisch-klinische Einmaldosis von 200 µg, 400 µg oder 40 mg Protirelin pro Patient praktisch als untoxisch zu beurteilen.

    Subakute Toxizität

    Durch wiederholte Gabe hoher Dosen von Protirelin wurden bei Albinoratten und Hunden keinerlei funktionelle oder pathologisch feststellbare Organschäden verursacht.

    Reproduktionstoxizität

    Erkenntnisse oder Verdachtsmomente über Schädigungen der männlichen oder weiblichen Fruchtbarkeit durch Protirelin liegen nicht vor. Aus der Anwendung von Protirelin beim Menschen in der Schwangerschaft sind keine Anhaltspunkte für eine toxische Einwirkung auf den Foeten oder für die Auslösung einer Mißbildung bekannt geworden.

    Mutagenität

    Erkenntnismaterial liegt hierzu nicht vor. Es haben sich bisher keine Hinweise für eine Schädigung der Nachkommenschaft durch Veränderung des Genoms in Verbindung mit der diagnostischen Anwendung von Protirelin ergeben.

    Kanzerogenität

    Langzeituntersuchungen am Tier wurden nicht durchgeführt.

    Pharmakokinetik

    Nach intravenöser Applikation von 200 µg Protirelin werden die höchsten Blutkonzentrationen nach 2 Minuten gemessen. Die Abbaukinetik von Protirelin folgt einer exponentiellen Kurve. Die Halbwertszeit beträgt 5 Minuten. Die maximale TSH-Serumkonzentration wird 30 Minuten nach i.v.-Injektion erreicht. Bei oraler Gabe wird Protirelin im oberen Gastrointestinaltrakt resorbiert. Die höchste Blutkonzentration wird nach 150 Minuten bei Gabe von 40 mg Protirelin gemessen. Der langsame Anstieg von Protirelin im Blut weist darauf hin, daß Freisetzung und Resorption im Darm über mindestens 2 1/2 Stunden stattfinden. Die Halbwertszeit der Verschwinderate wurde bei oraler Gabe von 40 mg Protirelin mit 31 Minuten ermittelt. Maximale TSH-Serumkonzentrationen werden 2 - 4 Stunden nach Tabletteneinnahme erreicht. Protirelin wird aus dem Blut durch enzymatischen Abbau eliminiert. Die Ausscheidung der Metaboliten erfolgt über die Nieren.

    14. Sonstige Hinweise

    Nach thyreostatischer Behandlung einer Hyperthyreose kann lange Zeit ein pathologischer TRH-Test vorliegen. Wurde eine TSH-supprimierende Therapie durchgeführt, erlaubt der TRH-Test erst nach einem mehrwöchigen therapiefreien Intervall eine Aussage über die Schilddrüsenfunktion. Unter einer Behandlung mit Levothyroxin oder/und Liothyronin soll eine 24stündige Einnahmepause eingehalten werden, wenn ein TRH-Test in Verbindung mit einer Bestimmung der Schilddrüsenhormonkonzentration im Serum vorgesehen ist. Nicht korrekte Applikation von TRH beim intravenösen Test sowie Nichteinhalten des Zeitintervalls für die Bestimmung des stimulierten TSH-Wertes kann zu Fehlinterpretationen der Schilddrüsenfunktion führen.

    15. Dauer der Haltbarkeit

    3 Jahre (alle Formen).

    16. Besondere Lager- und Aufbewahrungshinweise

    Ampullen: Nicht über 25 øC lagern.

    17. Darreichungsform und Packungsgrößen

    Thyroliberin 200 TRH Merck:

    1 Ampulle (2 ml)

    5 Ampullen (2 ml)

    50 Ampullen (2 ml).

    Thyroliberin 400 TRH Merck:

    1 Ampulle (2 ml)

    5 Ampullen (2 ml)

    50 Ampullen (2 ml).

    Thyroliberin oral TRH Merck:

    1 Tablette

    5 Tabletten

    50 Tabletten.

    18. Stand der Information

    Juli 1990

    19. Name oder Firma und Anschrift des pharmazeutischen Unternehmers

    Merck KGaA

    Postfach 41 19

    64271 Darmstadt 1

    Telefon: (0 61 51) 72-0.