Novothyral
     

    1. Bezeichnung des Arzneimittels

    Novothyral

    Novothyral 75

    Novothyral mite

    2. Verschreibungsstatus/Apothekenpflicht

    Verschreibungspflichtig.

    3. Zusammensetzung des Arzneimittels

    3.1 Stoff- und Indikationsgruppe

    Schilddrüsenhormone (chemisch definiert).

    3.2 Bestandteile nach der Art und arzneilich wirksame Bestandteile nach Art und Menge

    - Arzneilich wirksame Bestandteile

    Novothyral:

    1 Tablette enthält

    100 µg Levothyroxin-Natrium und

    20 µg Liothyronin-Natrium.

    Novothyral 75:

    1 Tablette enthält

    75 µg Levothyroxin-Natrium und

    15 µg Liothyronin-Natrium.

    Novothyral mite:

    1 Tablette enthält

    25 µg Levothyroxin-Natrium und

    5 µg Liothyronin-Natrium.

    - Andere Bestandteile

    Cellulose, Maisstärke, Magnesiumstearat, Citronensäure, Talkum, Carboxymethylstärke-Natrium, Calciumhydrogenphosphat.

    4. Anwendungsgebiete

    Kropf (euthyreote Struma); zur Verhütung erneuter Kropfbildung nach Kropfoperation (Rezidivprophylaxe); jede Form einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose); nach totaler Entfernung der Schilddrüse (Thyreoidektomie) wegen Schilddrüsenmalignom.

    5. Gegenanzeigen

    Hyperthyreose jeglicher Genese.

    Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit - s. Ziff., 14 - Sonstige Hinweise.

    6. Nebenwirkungen

    Bei sachgemäßer Anwendung und unter Kontrolle der klinischen Befunde sowie der laborchemischen Werte sind Nebenwirkungen nicht zu erwarten. Wird im Einzelfall die Dosisstärke nicht vertragen oder liegt eine Überdosierung vor, so können, besonders bei zu schneller Dosissteigerung zu Beginn der Behandlung, Symptome auftreten, wie sie auch bei einer Überfunktion der Schilddrüse vorkommen, z.B. Tachykardie, Herzrhythmusstörungen, pektanginöse Zustände, Tremor, innere Unruhe, Schlaflosigkeit, Hyperhidrosis, Gewichtsabnahme, Diarrhoe. In diesem Fall sollte die Tagesdosis reduziert oder die Medikation für mehrere Tage unterbrochen werden. Sobald die Nebenwirkung verschwunden ist, kann die Behandlung unter vorsichtiger Dosierung wieder aufgenommen werden.

    7. Wechselwirkungen mit anderen Mitteln

    Antidiabetika:

    Die blutzuckersenkende Wirkung kann durch Schilddrüsenhormone vermindert werden. Bei Diabetikern ist deshalb vor allem zu Beginn einer Schilddrüsenhormontherapie der Blutzuckerspiegel regelmäßig zu kontrollieren und die Dosierung des blutzuckersenkenden Medikaments ggf. anzupassen.

    Cumarinderivate: Die Wirkung einer Therapie mit gerinnungshemmenden Stoffen kann verstärkt werden, da Schilddrüsenhormone Antikoagulantien aus ihrer Plasmaeiweißbindung verdrängen. Bei gleichzeitiger Behandlung sind deshalb regelmäßige Kontrollen der Blutgerinnung erforderlich, ggf. ist die Dosierung des gerinnungshemmenden Arzneimittels anzupassen (Dosisreduktion).

    Colestyramin: Es hemmt die Resorption von Schilddrüsenhormonen und sollte deshalb erst 4 - 5 Stunden nach der Einnahme von Schilddrüsen-hormonen verabreicht werden.

    Aluminiumhaltige Substanzen: Bei gleichzeitiger Anwendung von Schild-drüsenhormonen und aluminiumhaltigen Substanzen (Antazida, Sucralfat) kann die Resorption von Novothyral vermindert sein. Aluminiumhaltige Substanzen sollten daher in einem zeitlichen Abstand von mindestens 2 Stunden nach Schilddrüsenhormonen eingenommen werden. Die Novothy-raldosierung sollte durch Bestimmung des TSH-Spiegels kontrolliert wer-den.

    Phenytoin: Schnelle intravenöse Gabe von Phenytoin kann zu erhöhten Plasmaspiegeln von freiem Levothyroxin sowie Liothyronin führen und in Einzelfällen die Entstehung von Herzrhythmusstörungen begünstigen.

    Salicylate, Dicumarol, Furosemid, Clofibrat: Schilddrüsenhormone können durch Salicylate, Dicumarol, hohe Dosen Furosemid (250 mg), Clofibrat und andere Substanzen aus der Plasma-Eiweißbindung verdrängt werden.

    8. Warnhinweise

    Keine.

    9. Wichtigste Inkompatibilitäten

    Keine bekannt.

    10. Dosierung mit Einzel- und Tagesdosen

    Die individuelle Tagesdosis sollte durch Labor- und klinische Untersuchungen ermittelt werden. Bei älteren Patienten, bei Patienten mit koronarer Herzerkrankung und bei Patienten mit schwerer oder lang bestehender Schilddrüsenunterfunktion ist eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen besonders vorsichtig zu beginnen, d.h. eine niedrige Initialdosis zu wählen und diese unter häufigen Schilddrüsenhormonkontrollen langsam und in größeren Zeitabständen zu steigern. Erfahrungsgemäß ist auch bei niedrigem Körpergewicht und bei einer großen Struma nodosa eine geringere Dosis ausreichend.

    Die nachstehenden Angaben können als Richtlinien dienen:

    Euthyreote Struma

    Erwachsene:

    1/2 - 1 Tablette Novothyral oder

    1 (-2) Tabletten Novothyral 75 täglich.

    Jugendliche:

    1/2 - 1 Tablette Novothyral 75 täglich.

    Kinder (bis ca. 35 kg KG):

    1-2 Tabletten Novothyral mite täglich.

    Rezidivprophylaxe nach Strumaresektion

    1/2 - 1 Tablette Novothyral täglich.

    Hypothyreose

    Erwachsene:

    Initialdosis:

    1 Tablette Novothyral mite täglich. Nach 14 Tagen Erhöhung der Tagesdosis in Abständen von jeweils 2 Wochen um 1 Tablette Novothyral mite.

    Erhaltungsdosis:

    1/2 - 1 (- 2) Tabletten Novothyral oder

    1/2 - 1 (- 2) Tabletten Novothyral 75 täglich.

    Kinder:

    1 - 3 Jahre:

    2 Tabletten Novothyral mite täglich.

    3 - 7 1/2 Jahre:

    1 Tablette Novothyral 75 täglich.

    7 1/2 - 12 Jahre:

    1 Tablette Novothyral 75 bis

    1 Tablette Novothyral täglich.

    Säuglinge:

    1/4 Jahr alt:

    1 - 1 1/2 Tabletten Novothyral mite täglich.

    1/2 Jahr alt:

    1 1/2 - 2 Tabletten Novothyral mite täglich.

    Die Dosierung für eine Vollsubstitution des Hormonbedarfs mit Novothyral mite im Kindesalter beträgt 4,6 Tabletten pro m2 Körperoberfläche/ Tag. Die im Einzelfall erforderliche optimale Substitutionsdosis hängt von der verbleibenden hormonalen Eigenleistung der hypothyreoten Schilddrüse ab.

    Nach Thyreoidektomie wegen Schilddrüsenmalignom:

    1 - 2 (- 3) Tabletten Novothyral oder

    2 - 3 Tabletten Novothyral 75 täglich.

    11. Art und Dauer der Anwendung

    Die gesamte Tagesdosis wird morgens nüchtern mindestens 1/2 Stunde vor dem Frühstück unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen.

    Anwendungsdauer: bei Hypothyreose und Thyreoidektomie wegen Schilddrüsenmalignom meist zeitlebens, bei euthyreoter Struma und Strumarezidivprophylaxe einige Monate oder Jahre bis zeitlebens.

    12. Notfallmaßnahmen, Symptome und Gegenmittel

    Bei Überdosierung und Intoxikationen treten Symptome einer mäßigen bis schweren Stoffwechselsteigerung auf (s. Ziff. 6, Nebenwirkungen). Eine Unterbrechung der Tabletteneinnahme und Kontrolluntersuchung werden empfohlen. Bei starken betasympathomimetischen Wirkungen können die Beschwerden durch Betarezeptorenblocker gemildert werden. Thyreostatika sind nicht angebracht, da die Schilddrüse bereits völlig ruhiggestellt ist. Bei extremen Dosen (Suizidversuch) kann eine Plasmapherese hilfreich sein.

    13. Pharmakologische und toxikologische Eigenschaften, Pharmakokinetik und Bioverfügbarkeit, soweit diese Angaben für die therapeutische Verwendung erforderlich sind

    13.1 Pharmakologische Eigenschaften

    Die in Novothyral enthaltenen Schilddrüsenhormone sind in ihrer Wirkung mit den von der Schilddrüse gebildeten, natürlich vorkommenden Schilddrüsenhormonen identisch.

    Nach partieller Umwandlung von Levothyroxin in Liothyronin, besonders in Leber und Niere, und Übertritt in die Körperzellen werden die charakteristischen Schilddrüsenhormonwirkungen auf Entwicklung, Wachstum und Stoffwechsel beobachtet.

    13.2 Toxikologische Eigenschaften

    a) Akute Toxizität

    Die akute Toxizität von Schilddrüsenhormonen ist sehr gering. Anläßlich von Vergiftungsunfällen (Suizidversuche) beim Menschen wurden Dosen bis 10 mg Levothyroxin komplikationslos vertragen. Mit ernsten Komplikationen wie Bedrohung der vitalen Funktionen (Atmung und Kreislauf) muß nicht gerechnet werden, es sei denn, daß eine koronare Herzkrankheit besteht s.auch Ziff. 12, Notfallmaßnahmen, ...

    b) Chronische Toxizität

    Untersuchungen zur chronischen Toxizität wurden an verschiedenen Tierspezies (Ratte, Hund) durchgeführt. In hohen Dosen wurden Anzeichen einer Hepatopathie, erhöhtes Auftreten von spontanen Nephrosen sowie veränderten Organgewichten bei der Ratte gesehen. Beim Hund wurden keine wesentlichen Nebenwirkungen beobachtet. Mehrere Fälle eines plötzlichen Herztodes bei Patienten mit langjährigem Schilddrüsenhormon-Abusus sind beschrieben worden.

    c) Mutagenes und tumorerzeugendes Potential

    Erkenntnismaterial zum mutagenen Potential von Schilddrüsenhormonen liegt nicht vor. Es haben sich bisher keine Verdachtsmomente oder Anhaltspunkte für eine Schädigung der Nachkommenschaft durch Veränderungen des Genoms durch Schilddrüsenhormone ergeben.

    Langzeituntersuchungen am Tier auf ein tumorerzeugendes Potential von Schilddrüsenhormonen wurden nicht durchgeführt.

    d) Reproduktionstoxizität

    Schilddrüsenhormone passieren die Plazenta nur zu einem sehr kleinen unwirksamen Anteil. Nach Injektion von kleinen Dosen (bis 24 mg) von Levothyroxin in Hühnerembryonen war die Inzidenz von Strophosomie erhöht. Beim Menschen liegen vielfältige Erfahrungen mit der Therapie mit Schilddrüsenhormonen in allen Phasen der Schwangerschaft vor: Es existieren keine Anhaltspunkte für eine toxische Einwirkung auf den Foeten oder für die Auslösung einer Mißbildung. Erkenntnismaterial über Schädigungen der männlichen oder weiblichen Fruchtbarkeit liegen nicht vor. Es existieren keinerlei Verdachtsmomente oder Anhaltspunkte.

    13.3 Pharmakokinetik

    a) Levothyroxin

    Oral appliziertes Levothyroxin wird in deutlicher Abhängigkeit von der Art der galenischen Zubereitung bis zu maximal 80 % bei Nüchterneinnahme vorwiegend aus dem Dünndarm resorbiert. Maximale Plasmaspiegel werden ca. 6 Stunden nach der Einnahme erreicht. Der Wirkungseintritt erfolgt bei Beginn einer oralen Therapie nach 3 - 5 Tagen. Das Verteilungsvolumen errechnet sich auf 1/2 Liter/kg KG. Levothyroxin ist zu mehr als 99 % an Plasmaproteine gebunden. Die metabolische Clearance liegt bei etwa 1,2 Liter Plasma pro Tag, der Abbau erfolgt hauptsächlich in Leber, Niere, Muskel und Gehirn.

    b) Liothyronin

    Oral appliziertes Liothyronin wird zu 78-95 % vorwiegend aus dem Dünndarm resorbiert. Das Wirkungsmaximum nach einmaliger Gabe von Liothyronin wird nach 2-3 Tagen erreicht. Durch die im Vergleich zu Levothyroxin etwas niedrigere Plasma-Eiweißbindung erklärt sich die höhere metabolische Clearancerate von etwa 15 Liter Plasma pro Tag. Der Abbau erfolgt zum größten Teil in Leber, Niere, Muskel und Gehirn.Schilddrüsenhormone erscheinen wegen der hohen Proteinbindung nur in geringen Mengen im Hämodialysat.

    13.4 Bioverfügbarkeit

    Für Levothyroxin-Natrium wurde mit 1 Euthyrox-100-Tablette bei Nüchterneinnahme eine Bioverfügbarkeit von 79,6 + 3 % ermittelt. Liothyronin-Natrium wird zu 78-95 % resorbiert.

    14. Sonstige Hinweise

    Vor Beginn einer Schilddrüsenhormontherapie sollten folgende Krankheiten ausgeschlossen bzw. behandelt werden:

    Koronare Insuffizienz, Hypophysen- bzw. Nebennierenrindeninsuffizienz, Schilddrüsenautonomie.

    Bei Koronarinsuffizienz, Herzinsuffizienz oder tachykarden Herzrhythmusstörungen sind auch leichtere medikamentös induzierte Hyperthyreosen unbedingt zu vermeiden. In diesen Fällen sind häufigere Kontrollen der Schilddrüsenparameter durchzuführen (siehe Dosierungsanleitung).

    Bei sekundärer Hypothyreose muß geklärt werden, ob gleichzeitig eine Nebennierenrindeninsuffizienz vorliegt. Ist das der Fall, so muß zunächst mit Glucocorticoiden (Hydrocortison) behandelt werden.

    Bei Verdacht auf Autonomie der Schilddrüse sollte ein TRH-Test oder ein Suppressionsszintigramm durchgeführt werden.

    Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit:

    Eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen sollte insbesondere während der Schwangerschaft konsequent durchgeführt werden. Eine Gefahr für den Foetus ist bisher trotz umfangreicher Anwendung während der Gravidität nicht bekannt geworden. Die während der Laktation selbst bei hochdosierter Therapie in die Muttermilch sezernierte Schilddrüsenhormonmenge reicht zur Entwicklung einer Hyperthyreose oder Suppression der TSH-Sekretion beim Säugling nicht aus. Kontraindiziert ist hier die Anwendung von Schilddrüsenhormonen als Begleittherapie bei Behandlung einer Hyperthyreose durch Thyreostatika. Da Thyreostatika die Plazentaschranke im Gegensatz zu Schilddrüsenhormonen in wirksamen Dosen passieren können, führt die Begleittherapie mit Schilddrüsenhormonen zu einer notwendigerweise höheren Thyreostatikadosierung. Dies könnte eine Hypothyreose beim Foetus hervorrufen. In der Gravidität sollte aus diesem Grunde bei Vorliegen einer Hyperthyreose stets eine niedrig dosierte Monotherapie mit thyreostatisch wirksamen Substanzen erfolgen.

    15. Dauer der Haltbarkeit

    3 Jahre (alle Formen).

    16. Besondere Lager- und Aufbewahrungshinweise

    Aufbewahrung nicht über 25 C Celsius. Vor Feuchtigkeit schützen.

    17. Darreichungsformen und Packungsgrößen

    Novothyral:

    N2 50 Tabletten

    N3 100 Tabletten

    Klinikpackung.

    Novothyral 75:

    N2 50 Tabletten

    N3 100 Tabletten.

    Novothyral mite:

    N2 50 Tabletten.

    18. Stand der Information

    Juli 1995.

    19. Name oder Firma und Anschrift des pharmazeutischen Unternehmers

    Merck KGaA

    Postfach 41 19

    64271 Darmstadt 1

    Telefon: (0 61 51) 72-0.