Jodthyrox
     

    1. Bezeichnung des Arzneimittels

    Jodthyrox

    2. Verschreibungsstatus / Apothekenpflicht

    Verschreibungspflichtig.

    3. Zusammensetzung des Arzneimittel

    3.1 Stoff- oder Indikationsgruppe

    Schilddrüsenhormone (chemisch definiert).

    3.2 Bestandteile nach der Art und arzneilich wirksame Bestandteile nach Art und Menge

    - arzneilich wirksame Bestandteile

    1 Tablette enthält 100 µg Levothyroxin-Natrium + 130,8 µg Kaliumiodid, entsprechend 100 µg Iod.

    - andere Bestandteile

    Carmellose-Natrium, Siliciumdioxid, Magnesiumstearat, Cellulose, Mannit.

    4. Anwendungsgebiete

    Zur Behandlung der Jodmangelstruma und Ergänzung des Jodbedarfs, insbesondere bei:

    Euthyreote Struma des Jugendlichen, euthyreote Struma diffusa des Erwachsenen und in der Schwangerschaft sowie zur Rezidivprophylaxe nach Operation einer Jodmangelstruma.

    5. Gegenanzeigen

    Hyperthyreose jeglicher Genese. Autonome Areale bzw. fokale Autonomien. Ferner echte Jodallergie und Dermatitis herpetiformis Duhring (s. auch Ziff. 14, Sonstige Hinweise).

    6. Nebenwirkungen

    Bei Jodüberempfindlichkeit kann die Einnahme von Jodthyrox zu Fieber, Hautausschlag und Rötung, Jucken und Brennen in den Augen, Reizhusten, Durchfall oder Kopfschmerzen führen. In diesem Falle ist die Tabletteneinnahme zu beenden.

    Als Folge der stoffwechselsteigernden Wirkung von Levothyroxin können gelegentlich, vor allem zu Beginn der Behandlung, Tachykardie, Herzrhythmusstörungen und Tremor, Unruhe, Schlaflosigkeit, Hyperhidrosis, Gewichtsabnahme oder Durchfall auftreten. Die Tagesdosis sollte in diesem Fall reduziert oder die Medikation für mehrere Tage unterbrochen werden. Sobald die Nebenwirkung verschwunden ist, kann die Behandlung mit niedriger Dosierung wieder aufgenommen werden.

    Bei Koronarinsuffizienz, Herzinsuffizienz, tachykarden Herzrhythmusstörungen, Diabetes mellitus, Hypophysen- bzw. Nebennierenrindeninsuffizienz oder Verdacht auf Autonomie der Schilddrüse, s. auch Ziff. 14, Sonstige Hinweise.

    7. Wechselwirkungen mit anderen Mitteln

    Colestyramin:

    Die Einnahme von Colestyramin hemmt die Resorption von Levothyroxin-Natrium. Jodthyrox sollte deshalb 4-5 Stunden vor der Colestyramin-Applikation eingenommen werden.

    Aluminiumhaltige Substanzen:

    Bei gleichzeitiger Anwendung von Schilddrüsenhormonen und aluminiumhaltigen Substanzen (Antazida, Sucralfat) kann die Resorption von Jodthyrox vermindert sein. Aluminiumhaltige Substanzen soll-ten daher in einem zeitlichen Abstand von mindestens 2 Stunden nach Schild-drüsenhormonen eingenommen werden. Die Jodthyroxdosierung sollte durch Bestimmung des TSH-Spiegels kontrolliert werden.

    Phenytoin, Salicylate, Furosemid, Clofibrat:

    Phenytoin, Salicylate, hohe Dosen Furosemid (250 mg), Clofibrat und andere Substanzen können die Wirkung von Levothyroxin verstärken: Die intravenöse Gabe von Phenytoin kann zu erhöhten Konzentrationen der freien Schilddrüsenhormone führen und in Einzelfällen die Entstehung von Herzrhythmusstörungen begünstigen.

    Cumarinderivate:

    Medikamente zur Verminderung der Blutgerinnung können in ihrer Wirkung durch Jodthyrox verstärkt werden. Es sind deshalb zu Beginn der Therapie

    mit Jodthyrox regelmäßige Kontrollen der Gerinnungsparameter erforderlich, ggf. kann eine Dosisreduktion des gerinnungshemmenden Medikamentes angezeigt sein.

    Antidiabetka:

    Levothyroxin kann bei Diabetikern zu einer Veränderung des täglichen Insulinbedarfs führen. Bei Beginn der Behandlung mit Jodthyrox sowie bei Veränderungen der Dosis ist in diesem Fall der Blutzuckerspiegel häufiger zu kontrollieren. Die Dosis des blutzuckersenkenden Medikamentes ist entsprechend anzupassen.

    8. Warnhinweise

    Entfällt.

    9. Wichtigste Inkompatibilitäten

    Inkompatibilitäten sind bisher nicht bekannt.

    10. Dosierung mit Einzel- und Tagesgaben

    Initial:

    1/2 Tablette Jodthyrox täglich. Nach 2-4 Wochen wird die Dosis in Abhängigkeit vom Alter und Körpergewicht bzw. dem Bedarf des Patienten auf die Erhaltungsdosis erhöht.

    Erhaltungsdosis:

    Erwachsene und Jugendliche: 1 Tablette täglich. Während der Gravidität 11 1/2 Tabletten täglich.

    11. Art und Dauer der Anwendung

    Die Einnahme von Jodthyrox sollte als einmalige Tagesdosis morgens nüchtern 1/2 Stunde vor dem Frühstück, möglichst mit etwas Flüssigkeit, erfolgen.

    Die Anwendung erfolgt für einige Monate bis lebenslang.

    12. Notfallmaßnahmen, Symptome und Gegenmittel

    Bei Überdosierung treten die Beschwerden einer starken Stoffwechselsteigerung auf.

    Je nach Ausmaß der Überdosierung wird eine Einnahmepause und Kontrolluntersuchung empfohlen. Symptome, die in verstärkten betasympathomimetischen Wirkungen wie Tachykardie, Angst, Agitiertheit, Hyperkinese bestehen, können durch Beta-Rezeptoren-Blocker gemildert werden. Bei extremen Dosen kann eine Plasmapherese hilfreich sein.

    13. Pharmakologische und toxikologische Eigenschaften, Pharmakokinetik und Bioverfügbarkeit, soweit diese Angaben für die therapeutische Verwendung erforderlich sind

    13.1 Pharmakologische Eigenschaften

    Das in Jodthyrox enthaltene synthetische Levothyroxin ist in seiner Wirkung mit dem von der Schilddrüse bevorzugt gebildeten, natürlich vorkommenden Schilddrüsenhormon identisch. Nach Resorption wird es weitgehend an Plasmaproteine, vor allem an thyroxinbindendes Globulin (TBG), gebunden. Nur allmählich tritt es in die Körperzellen über und entfaltet dort nach partieller Umwandlung in Liothyronin (= L-Trijodthyronin) die charakteristischen Schilddrüsenhormonwirkungen auf Entwicklung, Wachstum und Stoffwechselsysteme.

    Eine ausreichende Jodzufuhr ist Voraussetzung für die körpereigene Synthese der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin und Levothyroxin und damit auch für die normale Funktion und Morphologie der Schilddrüse. Darüber hinaus wird durch Kaliumjodid der Jodmangel substituiert, der ein entscheidender Faktor der Strumapathogenese ist.

    13.2 Toxikologische Eigenschaften

    Akute Toxizität

    Die akute Toxizität von Levothyroxin ist sehr gering. Bei Vergiftungsanfällen (Suizidversuch) beim Menschen wurden Dosen von 10 mg Levothyroxin komplikationslos vertragen. Mit ernsten Komplikationen wie Bedrohung der vitalen Funktionen (Atmung und Kreislauf) muß im allgemeinen nicht gerechnet werden, es sei denn, daß eine koronare Herzkrankheit besteht (s. auch Ziff. 12, Notfallmaßnahmen, ...).

    Kaliumjodid kann als eine akut relativ untoxische Substanz charakterisiert werden.

    Chronische Toxizität

    Untersuchungen zur chronischen Toxizität von Levothyroxin wurden an verschiedenen Tierspezies (Ratte, Hund) durchgeführt. In hohen Dosen wurden Anzeichen einer Hepatopathie, erhöhtes Auftreten von spontanen Nephrosen sowie veränderten Organgewichten bei der Ratte gesehen. Beim Hund wurden keine wesentlichen Nebenwirkungen beobachtet. Mehrere Fälle eines plötzlichen Herztodes bei Patienten mit langjährigem Levothyroxin-Abusus sind beschrieben worden.

    Tierexperimentelle Untersuchungen zur chronischen Toxizität von Kaliumjodid oder anderen Jodiden liegen nicht vor.

    Reproduktionstoxizität

    Schilddrüsenhormone passieren die Plazenta nur in unwirksam geringen Mengen. Nach Injektion von kleinen Dosen (bis 24 µg) von Levothyroxin in Hühnerembryonen war die Inzidenz von Strophosomie erhöht. Beim Menschen liegen vielfältige Erfahrungen mit der Therapie mit Levothyroxin in allen Phasen der Schwangerschaft vor: Es existieren keine Anhaltspunkte für eine toxische Einwirkung auf den Foeten oder für die Auslösung einer Mißbildung.

    Erkenntnismaterial über Schädigungen der männlichen oder weiblichen Fruchtbarkeit liegt nicht vor. Es existieren keinerlei Verdachtsmomente oder Anhaltspunkte.

    Mutagenität

    Erkenntnismaterial zu diesem Punkt liegt nicht vor. Es haben sich bisher keine Verdachtsmomente oder Anhaltspunkte für eine Schädigung der Nachkommenschaft durch Veränderungen des Genoms durch Schilddrüsenhormone ergeben.

    Kanzerogenität

    Langzeituntersuchungen am Tier wurden mit Levothyroxin nicht durchgeführt.

    Kaliumjodid besitzt keine biologisch relevante karzinogene Wirksamkeit.

    Kaliumjodid besitzt keine biologisch relevante mutagene Wirksamkeit.

    13.3 Pharmakokinetik

    Bei oraler Applikation erfolgt der Wirkungseintritt nach 3-5 Tagen. Im Plasma zirkulieren ca. 99,97 % des Levothyroxins und 99,70 % des Liothyronins (= LTrijodthyronin) an Plasmaeiweiße gebunden. Diese Protein-Bindung ist nicht kovalent, so daß sich das gebundene Hormon im Plasma in einem fortwährenden und sehr raschen Austausch mit der Fraktion des freien Hormons befindet. Das gleiche gilt für Levothyroxin, das dem Serum zugesetzt wird. Die Halbwertszeit von Levothyroxin beträgt im Mittel 7 Tage. Bei Hyperthyreose ist sie verkürzt (ca. 6 Tage), bei Hypothyreose verlängert (ca. 8 Tage). Der Verteilungsraum beträgt ungefähr 10 - 12 l. Die Leber enthält 1/3 des gesamten extrathyreoidalen Levothyroxins, das mit dem Levothyroxin im Serum rasch austauschbar ist. Schilddrüsenhormone werden hauptsächlich in Leber, Niere, Gehirn und Muskel metabolisiert. Die Abbauprodukte werden sowohl über den Urin als auch über den Stuhl ausgeschieden: Die gesamte metabolische Clearance-Rate von Levothyroxin liegt bei etwa 1,2 l Plasma/Tag.

    Schilddrüsenhormone erscheinen wegen der hohen Proteinbindung nur in geringen Mengen im Hämodialysat.

    13.4 Bioverfügbarkeit

    Für Levothyroxin-Natrium wurde als Euthyrox-100-Tabletten bei Nüchterneinnahme eine Bioverfügbarkeit von 79,6 % ermittelt. Die Resorption von Kaliumjodid ist nahezu vollständig.

    14. Sonstige Hinweise

    Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit:

    Eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen sollte insbesondere während der Schwangerschaft und Laktation konsequent durchgeführt werden. Eine Gefahr für den Foetus ist bisher trotz umfangreicher Anwendungen während der Gravidität nicht bekannt geworden. Die während der Laktation selbst bei hochdosierter Therapie mit Levothyroxin in die Muttermilch sezernierte Schilddrüsenhormonmenge reicht zur Entwicklung einer Hyperthyreose oder Suppression der TSH-Sekretion beim Säugling nicht aus.

    Koronarinsuffizienz, Herzinsuffizienz, tachykarde Herzrhythmusstörung:

    Vor einer Schilddrüsenhormontherapie ist eine Koronarinsuffizienz zu behandeln. Die Jodthyrox-Therapie sollte in niedriger Dosis eingeleitet und in größeren Zeitabständen langsam gesteigert werden.

    Auch eine leichtere Hyperthyreosis factitia ist bei Koronarinsuffizienz, Herzinsuffizienz oder tachykarden Herzrhythmusstörungen unbedingt zu vermeiden. In diesen Fällen sind häufigere Kontrollen der Schilddrüsenhormonparameter durchzuführen.

    Diabetes mellitus:

    Da Schilddrüsenhormone die Glukoseresorption sowie Insulinsekretion und empfindlichkeit beeinflussen, ist der Blutzuckerspiegel in der Initialphase der Behandlung mit Jodthyrox regelmäßig zu kontrollieren und bei Veränderung die Dosierung des blutzuckersenkenden Medikamentes entsprechend anzupassen.

    Hypophysen- bzw. Nebennierenrindeninsuffizienz:

    Bei einer durch eine Erkrankung der Hypophyse verursachten Schilddrüsenunterfunktion ist zu klären, ob gleichzeitig eine Nebennierenrindeninsuffizienz vorliegt. Diese müßte ggf. vor Einleitung einer Schilddrüsenhormontherapie behandelt werden.

    Schilddrüsenautonomie:

    Autonomien in der Schilddrüse sind durch eine gezielte Diagnostik vor Beginn der Therapie mit Jodthyrox auszuschließen.

    15. Dauer der Haltbarkeit

    3 Jahre (alle Formen).

    16. Besondere Lager- und Aufbewahrungshinweise

    Lagerung nicht über 25 C Celsius. Vor Feuchtigkeit schützen.

    17. Darreichungsformen und Packungsgrößen

    50 Tabletten N2

    100 Tabletten N3.

    18. Stand der Information

    Juli 1995.

    19. Name oder Firma und Anschrift des pharmazeutischen Unternehmers

    Merck KGaA

    64271 Darmstadt

    Telefon: (0 61 51) 72-0.