Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten

Patienten fragen - Experten antworten

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Kropf (eine Struma)?

Was ist eine Unterfunktion (Hypothyreose)?

Was ist eine Überfunktion (Hyperthyreose)?

Was ist eine Basedowsche Krankheit?

Was ist eine Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis)?

Was ist eine Schilddrüsenzyste?

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Welche Medikamente gibt es?

Wann werden Jodid-Tabletten eingesetzt?

Wann werden Schilddrüsenhormon-Tabletten eingesetzt?

Wann werden Schilddrüsenblocker eingesetzt?

Wann ist eine Operation notwendig?

Radiojodbehandlung

Wie läßt sich ein Wiederauftreten der Krankheit verhindern?


Was ist ein Kropf (eine Struma)?


Der Kropf ist die häufigste Schilddrüsenkrankheit in Deutschland. Ursache ist in den meisten Fällen der in Deutschland herrschende Jodmangel und damit eine zu geringe Aufnahme von Jod mit der Nahrung. Da der Kropf in der Regel nur geringe Beschwerden verursacht, wird er oft erst sehr spät - wenn bereits von außen sichtbar - entdeckt. Besteht ein Kropf über längere Zeit, können sich heiße oder kalte Knoten bilden.

Heiße Knoten sind Gewebsveränderungen in der Schilddrüse, die unkontrolliert Hormone ausschütten. So kommt es zu einer Schilddrüsen-Überfunktion.

Kalte Knoten sind funktionslose Gewebsveränderungen innerhalb der Schilddrüse, die keine Hormone produzieren. Sie können in seltenen Fällen - bei ein bis fünf Prozent - krebsartig verändert sein. Dies kann der Arzt durch die Entnahme einer Gewebeprobe feststellen. In Zweifelsfällen ist eine Klärung durch eine Operation erforderlich.

Behandlung: Jodid und/oder Schilddrüsenhormone, Operation, Radiojodbehandlung (näheres dazu in Abschnitt 2).


Was ist eine Unterfunktion (Hypothyreose)?


Bei einer Unterfunktion liegt im Körper ein Mangel an Schilddrüsenhormonen vor. Der Stoffwechsel läuft auf 'Sparflamme'.

Eine Unterfunktion kann

- angeboren sein oder

- durch eine Schilddrüsenentzündung, Operation oder Radiojodbehand-
lung entstehen.

Anzeichen einer Unterfunktion sind zum Beispiel: Müdigkeit, Lustlosigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, trockene Haut, Verstopfung.

Behandlung: Schilddrüsenhormon-Tabletten (näheres dazu in Abschnitt 2).


Was ist eine Überfunktion (Hyperthyreose)?


Bei einer Überfunktion werden im Körper zu viele Schilddrüsenhormone gebildet. Da diese Hormone zahlreiche Funktionen im Stoffwechsel haben, bewirkt ein Überschuß, daß der Körper ständig 'auf Hochtouren läuft'.

Eine Überfunktion tritt auf bei:

- Basedowscher Krankheit,

- vergrößerter Schilddrüse mit heißen Knoten.

Anzeichen einer Überfunktion sind zum Beispiel: innere Unruhe, Nervosität, starkes Schwitzen, Schlaflosigkeit, Gewichtsverlust, Haarausfall, beschleunigter Herzschlag...

Behandlung: Thyreostatika (Schilddrüsenblocker), Operation, Radiojodbehandlung (näheres dazu in Abschnitt 2).


Was ist eine Basedowsche Krankheit?


Bei der Basedowschen Krankheit handelt es sich um eine Form der Schilddrüsenüberfunktion, die spontan auftritt. Der Körper bildet speziell gegen die Schilddrüse gerichtete sogenannte Antikörper, die diese zu einer gesteigerten Produktion von Schilddrüsenhormonen anregen. Typisch für die Basedowsche Krankheit ist neben den oben aufgeführten Symptomen bei einigen Kranken außerdem ein Hervortreten der Augen.

Behandlung: Thyreostatika (Schilddrüsenblocker), Operation, Radiojodbehandlung (näheres dazu in Abschnitt 2).


Was ist eine Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis)?


Eine Schilddrüsenentzündung wird durch Bakterien (akute Thyreoiditis), Viren (subakute Thyreoiditis) oder am häufigsten durch gegen die eigene Schilddrüse gerichtete Antikörper (Hashimoto-Thyreoiditis) verursacht. Durch eine gestörte oder reduzierte Selbsttoleranz des Immunsystems kommt es zu einer Schädigung der Schilddrüsenzellen. Dadurch entsteht nach einiger Zeit eine Unterfunktion der Schilddrüse mit den dafür typischen Anzeichen.

Behandlung: bei Unterfunktion durch Hashimoto-Thyreoiditis zeitlebens Schilddrüsenhormon-Tabletten (näheres dazu in Abschnitt 2).


Was ist eine Schilddrüsenzyste?


Bei einer Zyste handelt es sich um eine gutartige Gewebeveränderung. Eine Schilddrüsenzyste ist eine Sammelstelle von Flüssigkeiten im Inneren der Schilddrüse.

Behandlung: Die Zyste wird durch eine nicht schmerzhafte Punktion - ähnlich einer Blutentnahme - entleert. Durch diese Maßnahme kann in etwa der Hälfte aller Fälle eine weitgehende oder vollständige Rückbildung der Zyste erreicht werden. Bei einer Vielzahl von Patienten sind aber mehrere Punktionen erforderlich. Bei großen Zysten kann auch eine Operation in Betracht kommen (näheres dazu in Abschnitt 2).


Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten


Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt drei mögliche Behandlungsformen von Schilddrüsenkrankheiten:

- Medikamente,

- Operation und

- Radiojodbehandlung,

die je nach dem persönlichen Krankheitsbild teilweise allein oder auch in Kombination angewendet werden. Es gibt zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten keine sicher wirksamen Alternativen in der Homöopathie oder Pflanzenheilkunde.


Medikamente


Welche Medikamente gibt es?

Zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten können je nach Fall

- Jodid-Tabletten,

- Schilddrüsenhormon-Tabletten,

- Kombinationspräparate aus Schilddrüsenhormon und Jod,

- Thyreostatika (Schilddrüsenblocker)

eingesetzt werden.


Jodid-Tabletten


Wann werden Jodid-Tabletten eingesetzt?

Die in der Apotheke rezeptfrei erhältlichen Jodid-Tabletten können sowohl zur Vorbeugung als auch zur Behandlung von jodmangelbedingten Schilddrüsenkrankheiten eingesetzt werden. Ähnlich wie die Vitamine ist Jod eine lebensnotwendige Substanz, die man auch als Vitamin 'J' bezeichnen könnte.

Zur Vorbeugung eines Kropfes ist die Einnahme von Jodid-Tabletten besonders Familien, in denen bereits Kröpfe aufgetreten sind, sowie in der Pubertät, Schwangerschaft und Stillzeit zu empfehlen. Denn Deutschland ist ein Jodmangelgebiet. Mit Ausnahme von Meeresfrüchten, wie z.B. Hochseefischen, enthalten alle Lebensmittel nur sehr wenig Jod. Die Schilddrüse benötigt Jod, um die lebensnotwendigen Schilddrüsenhormone zu produzieren. Der Jodbedarf eines Erwachsenen liegt nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bei etwa 200 Mikrogramm pro Tag (ein Mikrogramm ist ein Millionstel Gramm). Schwangere und Stillende benötigen noch mehr Jod. In Deutschland nehmen Erwachsene im Durchschnitt jedoch täglich nur 70 bis 80 Mikrogramm Jod auf.

Bei Säuglingen, Kindern, Jugendlichen und vor allem jüngeren Erwachsenen können Jodid-Tabletten auch zur Behandlung, das heißt Rückbildung (Verkleinerung) eines jodmangelbedingten Kropfes eingesetzt werden.

Welche Nebenwirkungen haben Jodid-Tabletten?

Die vorbeugende Einnahme von Jodid-Tabletten ist unbedenklich und verursacht in der Regel keine Nebenwirkungen. Die zugeführte Jodmenge ist so gering, daß sogar bei Personen mit Jodüberempfindlichkeit selten Reaktionen auftreten.

Jodallergien sind bei der Einnahme von Jodid-Tabletten ebenfalls nicht zu erwarten.

Auch bei der sogenannten 'Jodakne' spielen diese geringen Jodmengen keine Rolle.


Schilddrüsenhormon-Tabletten


Wann werden Schilddrüsenhormon-Tabletten eingesetzt?

Schilddrüsenhormon-Tabletten werden

- zur Rückbildung von Kröpfen sowie zur Behandlung von

- angeborener Unterfunktion oder

- erworbener Unterfunktion infolge von Operation, Radiojodbehandlung oder

Schilddrüsenentzündung

eingesetzt.

Schilddrüsenhormon-Tabletten bei Unterfunktion

Bei der Unterfunktion werden die Hormone, die die kranke Schilddrüse nicht mehr in ausreichender Menge bilden kann, in Form von Schilddrüsenhormon-Tabletten verabreicht. Damit wird eine ausgeglichene Stoffwechsellage herbeigeführt und aufrechterhalten.

Schilddrüsenhormon-Tabletten bei Kropf

Bei Vorliegen eines Kropfes wird die vergrößerte Schilddrüse durch die Gabe von Schilddrüsenhormon-Tabletten entlastet; sie wird sozusagen ruhig gestellt. Die Schilddrüse wächst nicht weiter und verkleinert sich allmählich wieder.

Da dieser Prozeß eine gewisse Zeit braucht, sollten die Tabletten regelmäßig über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren eingenommen werden. Danach wird die Hormonbehandlung in der Regel beendet. Um ein erneutes Wachstum der Schilddrüse zu verhindern, ist dann die Einnahme von Jodid-Tabletten zu empfehlen. Denn ohne Ausgleich des Jodmangels würde sich sehr bald wieder ein Kropf bilden.

Möglich ist auch die Gabe eines Kombinationspräparates aus Schilddrüsenhormon und Jodid. Bisherige Erfahrungen deuten darauf hin, daß mit dieser Behandlung eine schnellere und nachhaltigere Wirkung erzielt werden kann als bei alleiniger Gabe von Schilddrüsenhormonen.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Die in den Tabletten enthaltenen Hormone sind identisch mit den körpereigenen Schilddrüsenhormonen. Die Körperzellen können zwischen dem körpereigenen und dem als Tablette eingenommenen Hormon nicht unterscheiden.

Einige Patienten lassen sich jedoch immer wieder von den in Beipackzetteln aufgelisteten Nebenwirkungen verunsichern und setzen die Tabletten deshalb ab. Die dort aufgeführten Nebenwirkungen können im Einzelfall - müssen aber nicht - auftreten. Auf keinen Fall sollte man die Behandlung deshalb abbrechen. In vielen Fällen genügt es, wenn der Arzt die Dosis vorübergehend senkt und nach einigen Wochen wieder zur ursprünglichen Menge zurückkehrt. Das Präparat wird dann meist besser vertragen.

Zu Beginn der Behandlung können bei einigen Patienten leichte Beschwerden auftreten, die denen einer Überfunktion ähneln. Diese entstehen durch die stoffwechselsteigernde Wirkung der Schilddrüsenhormone. Die Beschwerden treten jedoch in der Regel nur vorübergehend auf. Die langjährige Tabletteneinnahme ist nicht schädlich, da es sich - wie oben beschrieben - um körpereigene Wirkstoffe handelt.



Schilddrüsenblocker (Thyreostatika)

Wann werden Schilddrüsenblocker (Thyreostatika) eingesetzt?

Die sogenannten Thyreostatika werden zur Behandlung der Überfunktion durch heiße Knoten oder durch die Basedowsche Krankheit eingesetzt.

Es handelt sich hierbei um eine Gruppe von Medikamenten, die die Bildung der Schilddrüsenhormone verlangsamt oder ganz blockiert. Dadurch wird eine Normalisierung der Hormonkonzentration im Blut erreicht, so daß sich die Symptome der Überfunktion zurückbilden. In der Regel dauert es jedoch einige Wochen bis sich der Stoffwechsel normalisiert. Der Grund: Die Präparate hemmen lediglich die Neubildung der Schilddrüsenhormone, nicht aber die Abgabe der bereits in der Schilddrüse gespeicherten Hormonvorräte.

Bei der Behandlung von heißen Knoten dienen Thyreostatika in erster Linie zur Vorbereitung einer Operation oder Radiojodbehandlung, denn hier ist keine Spontanheilung zu erwarten. Das autonome Schilddrüsengewebe muß letztlich entfernt werden.

Die Einnahme von Schilddrüsenblockern erfolgt bei der Basedowschen Krankheit in der Regel nicht länger als ein bis eineinhalb Jahre. Bei der Basedowschen Krankheit wird durch den sogenannten Auslaßversuch festgestellt, ob in der Zwischenzeit eine Spontanheilung eingetreten ist.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Bei weniger als fünf Prozent der Patienten treten nach Einnahme von Schilddrüsenblockern allergische Hautreaktionen auf.

In noch selteneren Fällen kann es zu einer Unterdrückung der Bildung weißer Blutkörperchen im Knochenmark kommen. Erste Anzeichen dafür können Fieber und Halsschmerzen sein. Die Medikamente sollten dann sofort abgesetzt werden.

Aufgrund der möglicherweise auftretenden Nebenwirkungen sind bei der Behandlung mit Thyreostatika regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch den Arzt besonders wichtig.

Bei erfolgreicher Behandlung kann der Patient - über sein Gewicht vor der Überfunktion hinaus - zunehmen. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die Eßgewohnheiten während der Überfunktion, in der der Körper sehr viel Nahrung verbrennen konnte, beibehalten werden. Der Stoffwechsel läuft jetzt jedoch wieder normal, so daß auch die Eßgewohnheiten wieder angepaßt werden sollten.


Operation


Wann ist eine Operation notwendig?

Eine Operation wird in der Regel bei

- sehr großen Kröpfen mit Behinderung der Atmung oder des Schluckens,

- heißen oder kalten Knoten,

- der Basedowschen Erkrankung,

- dem Schilddrüsenkrebs

durchgeführt.

Ziele der Operation können sein:

- das Beseitigen der lokalen Verdrängung von Luftröhre und/oder

Speiseröhre durch die vergrößerte Schilddrüse,

- das Aufheben von Funktionsveränderungen sowie teilweise auch

- die Klärung eines Krebsverdachtes oder die Entfernung von bösartigem Gewebe.

Wie läuft eine solche Operation in der Regel ab?

In den meisten Fällen wird der Patient ein bis zwei Tage vor der Operation stationär aufgenommen. Der Chirurg und der Narkosearzt besprechen mit ihm Einzelheiten der Operation und der Narkose. Am Abend vor dem Eingriff erhält er ein Schlafmittel. Am Operationstag selbst werden dem Patienten weitere Medikamente zur Vorbereitung der Operation gegeben. Nach Einleitung der Narkose entfernt der Chirurg in der Regel die krankhaft veränderten Schilddrüsenanteile bis auf beiderseits kleine Restlappen. Unter bestimmten Bedingungen werden nur einzelne, isolierte Knoten aus dem Kropf herausgeschält.

Was passiert nach der Operation?

Nach dem Aufwachen können Beschwerden, wie beispielsweise Übelkeit oder Mattigkeit auftreten. Doch schon am darauffolgenden Tag kann der Patient bereits wieder Speisen zu sich nehmen.

Die durch die Operation bedingten Schmerzen sind sehr gering und können bei Bedarf durch Schmerzmittel gelindert werden. Die Fäden werden in der Regel nach etwa einer Woche entfernt. Leichte Beschwerden im Bereich der Narbe, zum Beispiel beim Anheben oder Drehen des Kopfes oder auch beim Schlucken, lassen sehr bald nach. Auch die Rötung der Narbe geht allmählich zurück.

In der Regel ist bei der Schilddrüsenoperation nur ein Krankenhausaufenthalt von etwa einer Woche erforderlich. Doch sollte sich der Patient in den ersten beiden Wochen zu Hause noch schonen.

Nach der Operation wird meist eine weiterführende Behandlung mit Jodid- und/oder Schilddrüsenhormon-Tabletten durchgeführt. Dadurch wird zum einen ein erneutes Wachstum der restlichen Schilddrüse verhindert, zum anderen eine möglicherweise verminderte Hormonproduktion durch die kleine Restschilddrüse ausgeglichen.

Gibt es Risiken? Wenn ja, welche?

Durch moderne Narkose- und Operationstechniken gibt es bei einer Schilddrüsenoperation nur sehr selten Komplikationen. Es besteht daher kein Anlaß, sich vor einem solchen Eingriff zu ängstigen. Aufgrund ihrer Häufigkeit gehören Schilddrüsenoperationen heute - ähnlich wie Blinddarmoperationen - zu den Standardeingriffen.

Bei weniger als einem Prozent der Patienten können die Stimmbandnerven - bedingt durch ihre Lage - angegriffen werden. Meist handelt es sich dabei aber nur um eine vorübergehende Funktionsstörung, die sich wieder zurückbildet. Die mangelnde Funktion eines möglicherweise ausgefallenen Stimmbandes kann darüber hinaus nach entsprechenden Stimmübungen durch das gegenüberliegende Stimmband ausgeglichen werden.

In seltenen Fällen können die Nebenschilddrüsen geschädigt oder unbeabsichtigt entfernt werden. Diese regulieren den Kalziumstoffwechsel des Körpers. Insgesamt gibt es vier Nebenschilddrüsen, so daß meist die noch gesunden die Funktion der ausgefallenen mit übernehmen. Vorübergehend kann jedoch die Einnahme von Kalziumtabletten erforderlich sein.

In der Regel heilt die Halswunde gut ab, so daß in fast allen Fällen nach einiger Zeit die Narbe kaum noch zu sehen ist. Sie verschwindet zum Teil in einer Hautfalte des Halses.



Radiojodbehandlung

In welchen Fällen wird eine Radiojodbehandlung durchgeführt?

Eine Radiojodbehandlung kann bei

- vergrößerter Schilddrüse,

- heißen Knoten,

- der Basedowschen Krankheit oder

- dem Schilddrüsenkrebs

durchgeführt werden. Sie wird meist dann vorgenommen, wenn eine Operation nicht so günstig erscheint. Dies kann beispielsweise bei älteren Patienten oder schwerwiegenden Begleiterkrankungen zutreffen. Auch Zweit- oder Drittoperationen bergen aufgrund des bereits vorhandenen Narbengewebes ein erhöhtes Operationsrisiko, das durch eine Radiojodbehandlung vermieden werden kann.

Die Behandlung mit Radiojod wird beziehungsweise kann nicht angewendet werden bei

- Schwangeren und Stillenden sowie

- bei kalten Knoten.

Wie wird das Radiojod aufgenommen?

Meist erhält der Patient das Radiojod am Tag der Aufnahme in eine nuklearmedizinische Therapie-Einheit in Form einer Kapsel. Das Radiojod wird insbesondere von überaktiven Schilddrüsenzellen angereichert. Es ist weder zu schmecken noch zu fühlen. Gelegentlich kann ein Anschwellen der kranken Schilddrüse auftreten.

Die Wirkung der Behandlung beruht auf der beim Zerfall des Radiojods ausgesandten Strahlung. Die Reichweite der sogenannten Beta-Strahlen beträgt lediglich etwa zwei Millimeter und ist damit auf die Schilddrüsenzellen beschränkt, so daß eine Schädigung der Nachbarorgane nicht erfolgt.

Wieso wird man isoliert, was passiert während der Quarantäne?

Während der Behandlung bleiben die Patienten aus Strahlenschutzgründen zusammen auf der nuklearmedizinischen Station. Das von der Schilddrüse nicht aufgenommene Radiojod wird mit dem Harn ausgeschieden und über besondere Toilettenanlagen gesammelt, so daß die radioaktive Substanz nicht in die öffentlichen Abwässer gelangt. Während der Quarantäne können sich die Patienten innerhalb der Station frei bewegen und sich gemeinsam beschäftigen. Ein Besuch durch Angehörige oder Freunde ist nicht möglich. Der Patient hat aber in der Regel durch ein Telefon in seinem Zimmer die Möglichkeit, Kontakt mit diesen aufzunehmen.

Wie lange muß der Patient im Krankenhaus bleiben?

Die Radiojodbehandlung erfolgt in Deutschland während eines fünf- bis vierzehntägigen Aufenthaltes in speziellen nuklearmedizinischen Abteilungen größerer Kliniken. Die tatsächliche Aufenthaltsdauer ist abhängig von der Menge des Radiojods, das zur persönlichen Behandlung erforderlich ist.

Im europäischen Ausland brauchen die Patienten nach Gabe kleinerer Radiojodmengen nicht im Krankenhaus zu bleiben.

Wie geht es zu Hause weiter?

Der Patient kann sich zu Hause wie gewohnt beschäftigen. In den ersten Wochen nach der Entlassung sollte jedoch enger Kontakt mit strahlenempfindlichen Personen wie Schwangeren und Kleinkindern vermieden werden. Wie auch nach einer Operation ist jetzt meist die Gabe von Schilddrüsenhormon-Tabletten notwendig, um ein erneutes Schilddrüsenwachstum zu verhindern oder die durch die Radiojodbehandlung eingeschränkte Leistung der Restschilddrüse zu unterstützen.

Gibt es Risiken? Wenn ja, welche?

Die Bedenken der Patienten gegenüber der Radiojodbehandlung werden in erster Linie durch die generelle Angst vor Radioaktivität verursacht. Diese sind jedoch unbegründet. Bisher sind - bei über 50jähriger millionenfacher Anwendung dieser Behandlung - keine negativen Auswirkungen beobachtet worden.



Wie läßt sich ein Wiederauftreten der Krankheit verhindern?

Die Rezidivprophylaxe des Jodmangelkropfes umfaßt alle Maßnahmen, die nach einer erfolgreichen Behandlung ein erneutes Auftreten verhindern und den weiterhin bestehenden Jodmangel auf Dauer ausgleichen. Diese für alle erfolgreich behandelten Schilddrüsen-Patienten wichtigen Maßnahmen werden vom Arzt - entsprechend der ursprünglichen Schilddrüsenkrankheit und ihrer Behandlung - festgelegt.

Eine erneute Kropfbildung wird dabei durch eine lebenslange Einnahme von Jodid-Tabletten verhindert. Wurde bei einer Schilddrüsen-Operation nur wenig Gewebe entfernt, reicht auch hier oft die Gabe von Jodid-Tabletten aus. Nach Entfernung größerer Schilddrüsenanteile ist allerdings zur Aufrechterhaltung einer stabilen Stoffwechsellage zeitlebens die Einnahme von Schilddrüsenhormon-Tabletten und/oder Jodid-Tabletten notwendig.

Buch-Tip:

Peter Pfannenstiel/Werner Schwarz:

Nichts Gutes im Schilde -

Krankheiten der Schilddrüse,

Anzeichen/Untersuchungen/Behandlung

5. überarbeitete und erweiterte Auflage

Trias Verlag, Stuttgart, ISBN 3-89373-258-6

279 S., 38 Abb., DM 39,80

Weitere Informationen:

Falls Sie weitere Fragen zum Thema Jod und Schilddrüse haben, können Sie dienstags von 13.00 Uhr bis 16.00 Uhr gerne beim Schilddrüsen-Informations-Dienst, einer Patientenberatungsstelle der Firma E. Merck, anrufen (Telefon-Nummer: 0 69 / 31 40 53 24).

Weitere Broschüren zum Thema Jod und Schilddrüse können Sie kostenlos anfordern beim:

Schilddrüsen-Informations-Dienst (SDID)

Bolongarostraße 82

65929 Frankfurt am Main